Summen, Staunen, Probieren: ein Vormittag voller Einblicke
Wie entsteht eigentlich Honig? Wer regiert im Bienenstock? Und was passiert dort im Winter? Bei einem Spaziergang zu den Bienenstöcken am Eulenberg hat uns Imker Wolfgang Pöhlmann einen Blick in die faszinierende Welt eines Bienenvolks gegeben. Hier die schönsten Entdeckungen.
Ein Volk, drei Rollen
In einem Volk leben etwa 10.000 bis 15.000 Arbeitsbienen, rund 500 Drohnen und eine einzige Königin. Sie legt täglich mehrere tausend Eier. Die Arbeiterinnen erledigen alles andere, von der Brutpflege über das Bewachen des Fluglochs bis zum Sammeln. Die Drohnen sind zum Befruchten da. Sie sehen besonders gut, um die Königin zu finden, und sterben nach der Paarung.
Vom Ei zur Biene
Aus dem Ei in der Wabe wird eine Made, dann eine Puppe, und nach etwa drei Wochen schlüpft die junge Biene. Die Larven fressen und wachsen rasend schnell. Ob daraus eine Arbeiterin oder eine Königin wird, entscheidet allein das Futter: Eine Made, die mit Gelée Royale gefüttert wird, wird zur Königin. So kann das Volk Ersatz heranziehen, wenn die alte Königin stirbt. Die junge Königin schlüpft nach gut zweieinhalb Wochen und fliegt dann zur Paarung zum Drohnensammelplatz.
Vom Nektar zum Honig
Die Biene sammelt den Nektar auf der Blüte und trägt ihn in einem Spezialmagen heim. Er besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser und wäre so nicht haltbar. Darum fächeln die Bienen ihn über den Waben, bis nach etwa zwei Wochen Honig mit nur noch rund 20 Prozent Wasser entsteht.
Für ein einziges Kilo Honig sind rund 50.000 Flüge nötig, das schafft nur ein ganzes Volk. Nektar liefert den Zucker, Pollen das Eiweiß für die Aufzucht der Jungen. Ein Volk sammelt im Jahr etwa 100 kg, überwiegend für den Eigenbedarf. Rund 15 bis 20 kg bleiben als Wintervorrat im Stock. Im Strohgäu sind 10 bis 15 kg Erntemenge pro Volk normal. Jedes Glas Honig ist also etwas Besonderes.
Bei uns entsteht vor allem Blütenhonig, im Sommer auch Sommerhonig. Waldhonig stammt dagegen von den Ausscheidungen von Läusen, die Nadelbäume anstechen. Für Sortenhonige wie Waldhonig oder Kastanienhonig wandern manche Imker mit ihren Völkern bis in den Schwarzwald oder in die Pfalz.
Der Winter
Im Winter bilden die Bienen eine Kugel. Im Innern erzeugen die Tiere durch Bewegung ihrer Brustmuskeln Wärme von etwa 20 Grad, bei Brut sind es rund 30 Grad. Ein Gitter am Boden hält Mäuse fern, und zusätzlich bekommen die Bienen Zuckersirup. Vor dem Winter macht der Imker außerdem gern aus zwei schwachen Völkern ein starkes.
Mehr als Honig
- Pollen ernährt die Brut und ist auch für uns essbar, zum Beispiel im Joghurt.
- Propolis nutzen die Bienen als Kitt. Es wirkt antibiotisch und konserviert sogar eingedrungene Tiere. Geerntet wird es im Winter, im Sommer ist es zu klebrig.
- Gelée Royale ist ein weißer, milchiger und scharf schmeckender Futtersaft.
- Bienengift steckt in Rheumasalben.
Die stille Heldin: Bestäubung
Wichtiger als der Honig ist die Bestäubung. Die Biene gilt als drittwichtigstes Nutztier des Menschen. Pollen sind die männlichen Samenkörner der Pflanzen. Manche Pflanzen werden vom Wind bestäubt, viele aber von Insekten. Ohne Bienen sähe unser Obst- und Blumenjahr deutlich ärmer aus.
Sanftmut liegt an der Königin
Wie friedlich ein Volk ist, hängt an seiner Königin. Gute, sanfte und ertragreiche Völker werden vermehrt, bei schlechten wird die Königin ausgetauscht (umgeweiselt). So verändert sich ein Bestand über fünf bis zehn Jahre und passt sich auch dem Standort an, ob sonnig oder schattig.
Die Varroamilbe
Gegen die Varroamilbe hilft bei starkem Befall verdampfte Ameisensäure. Sie darf nur eingesetzt werden, wenn die Honigräume leer sind, also nach der Ernte, die im Juni oder Juli abgeschlossen ist.
Und der Stich?
Der Stachel hat einen Widerhaken und eine Giftblase, die nach dem Stich weiterpumpt. Die Biene reißt ihn dabei aus und stirbt. Deshalb gilt bei einer Begegnung: ruhig bleiben, sich langsam bewegen und zum Licht hin entfernen. Dann ist die Begegnung meist ganz friedlich.
Herzlichen Dank an Wolfgang Pöhlmann für den spannenden Vormittag, die Verkostung und sein Wissen! Wer selbst einmal einen Blick in die Welt der Bienen werfen möchte, findet im Frühjahr wieder eine gute Gelegenheit. Wir freuen uns auf Sie!








